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Sonntag, 21. Oktober 2007

Was wäre ich ohne meine Freunde?

Was wäre ich wohl ohne meine Freunde? Ich glaub, verdammt "arm dran".
Meine Freunde hier in München, allen voran meine beste Freundin, machen es mir derzeit überhaupt erst möglich, daß ich "normal" weiterleben kann. Sie helfen mir, daß mein Leben weitergehen kann. Sie helfen mir beim Einkaufen, hier in der Wohnung, unternehmen - wie sonst auch - etwas mit mir, behandeln mich nicht wie "ein rohes Ei", hören mir zu, wenn ich zum x-ten Mal die gleichen Probleme mit ihnen wälze, machen mir Mut und stellen vor allem nie dumme, nervige Fragen. Auch meine Freunde im Ruhrgebiet helfen mir sehr. Sie sind zwar weiter weg, halten aber trotzdem sehr engen Kontakt zu mir. Von Zeit zu Zeit besuchen sie mich sogar netterweise, wagen sich in "bayrisches Hoheitsgebiet" vor. Es sind immer schöne, lustige und entspannende Telefonate. Sie fehlen mir schon sehr, aber gerade jetzt ist es so unheimlich wichtig, daß ich weiß, daß ich nicht allein bin, daß ich Menschen habe, auf die ich mich verlassen kann und die auch an mich glauben. Das gibt einem ein warmes, gutes Gefühl.
Marie von Ebner-Eschenbach hat mal folgendes über Freunde gesagt: "Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns ganz genau kennen, und trotzdem zu uns halten!"
An dieser Stelle einen ganz lieben, offiziellen Dank allen meinen Freunden!!!
(Ich möchte hier keine Namen schreiben, denn evt. vergesse ich jemand und das wäre dann natürlich nicht gut)

soziales Tiefdruckgebiet

Irgendwie habe ich das Gefühl, daß ich mich in einem "sozialen Tiefdruckgebiet" befinde. Kaum gibt es einen winzigen Lichtblick am trostlosen Horizont, so wird dieser sofort von einem neuen Tief weggefegt.

Erst hieß es, daß ich einen Wohnungsberechtigungsschein für das München-Modell bekomme, dumm nur daß im Rahmen des München-Modells überhaupt keine 2-Zimmer-Wohnungen mehr verfügbar sind. Ich habe bei allen beteiligten Wohnungsbaugenossenschaften und Vermietern angerufen - nichts frei. Einige Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen, aber keine mit zwei Zimmern. Und nur für die bekomme ich den WBS und er ist auch nur auf das München-Modell begrenzt.
War total enttäuscht, vor allem auch deshalb noch mehr, weil ich irgendwie dachte, daß dieser furchtbare Kreislauf jetzt endlich durchbrochen wird. Zuweilen, wenn einem eine Situation einfach über den Kopf wächst, sie zu schwer zu ertragen ist, dann wird das teilweise so unwirklich, man denkt, daß es eine Art Traum ist. Nicht wirklich, aber ich war total erschöpft, nur noch müde, hatte einfach nur noch das Bedürfnis im Bett zu liegen und an gar nichts mehr zu denken.
Dann habe ich mich doch wieder aufgerafft und mich dazu entschieden, daß ich jetzt Wohnungen auf dem "freien Wohnungsmarkt" suche. Also ganz normale Wohnungen, die ohne WBS zu haben sind. Das größte Problem daran ist, daß ich keinen dauernden Verdienst nachweisen kann, ich kann nicht mal den bereits gestellten Antrag beim Arbeitsamt nachweisen, weil der ja nur telefonisch erfolgt ist. Ich muß es jetzt darauf ankommen lassen, daß mir viele Makler und auch Vermieter evt. aus dem Grund eine Absage erteilen, muß es stetig weiterversuchen bis ich doch vielleicht jemand finde, der bereit ist, sich auf dieses Risiko einzulassen und damit mir die Chance ermöglicht, daß ich z. B. den Wohngeldantrag überhaupt erst stellen kann. Nur mit einem Mietvertrag auf meinem Namen kann ich diesen Antrag stellen.
Am Freitag habe ich mir eine sehr schöne Wohnung in München-Hadern, an der U-Bahn-Station "Haderner-Kreuz" angeschaut. Da würde alles passen. Ich komme gut rein, sie ist für mich und meine Katzen angemessen groß, guter Stadtteil, mit allen Einkaufsmöglichkeiten, die Kirchengemeinde vor der Tür und die Krankengymnastik im Nachbarstadtteil. Der Makler hat mir nicht sofort abgesagt, er will wenigstens versuchen, was er machen kann. Es ist immer sehr angenehm, wenn Menschen zu einem freundlich sind, auch bemüht und einen in so einer Situation nicht noch runtermachen.
Morgen schaue ich mir mit meiner besten Freundin eine zweite Wohnung an, die etwas günstiger und auch größer wäre.
Es ist schwierig auszuhalten, aber im Moment wird jeder Tag wohl wieder etwas Neues, eine veränderte Situation bringen. "Augen zu und durch", das ist schon was dran.

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Ich bekomme eine Wohnung

Heute bin ich mit einer Ergotherapeutin von Mutabor zum Wohnungsamt gegangen - ohne Termin. Vor einer mündlichen Prüfung hätte ich nicht aufgeregter sein können. Zum einen hatte ich erhebliche Zweifel, ob die uns ohne Termin überhaupt drannehmen würden, zum anderen bin ich die letzten Wochen permanent nur enttäuscht worden, drum habe ich mir nicht viel von dem Besuch erhofft.
Und es kam alles ganz anders. Eine sehr nette Dame, die mir vorkam als wäre sie "Mädchen für alles" hat es möglich gemacht, daß sich eine Sachbearbeiterin mein Anliegen anhört. Irgendwie verhalte ich mich in so Ämtern wie ein dauernd "geschlagener Hund", der immer auf der Furcht vor weiteren Prügeln ist. Doch die war total kooperativ, hat sich das geduldig angehört und meinte dann, daß die einzige Möglichkeit, diese "5-Jahres-Aufenthaltsfrist-in-München" zu umgehen wäre, daß ich eine Wohnung des "München-Modells" ziehe. In Riem wären zum Beispiel etliche frei. Da habe ich nicht lange nachgedacht, denn der neu entstehende Stadtteil Riem ist total o.k. und ich kann mir gut vorstellen, dort zu wohnen. Kann im Prinzip gleich anfangen, bei den Wohnungsgenossenschaften nach einer rollstuhlgerechten 2-Zimmer-Wohnung für mich zu fragen.
War mir alles zu viel, hab vor Freude geheult, auch deswegen, weil ich das gar nicht glauben konnte, daß sich diese Sache nun derart problemlos lösen würde. Jetzt ist der "Teufelskreis" durchbrochen und die anderen Anträge können nun leichter gestellt werden.
Bin total glücklich - ich bekomme eine Wohnung, kann endlich umziehen und fühle mich dann nicht dauern wie "auf der Flucht".

Montag, 15. Oktober 2007

Zwischen Hoffen und Verzweifeln

Ich habe so den Eindruck, daß sich meine Zukunftsplanung, auch die Wohnungssuche und die Bemühungen irgendwie meine Grundversorgungsansprüche geltend zu machen, daß das von Woche zu Woche verfahrener und komplizierter wird.
Heute hatte ich einen Termin bei der Beratungsstelle der Pfennigparade. Nette, engagierte Frau, die sich lange Zeit genommen hat, leider auch keinen gangbaren Weg aus der ganzen Misere wußte. Es war nicht so, daß ich mit der Einstellung hingegangen bin, daß diese Frau meine Probleme lösen könnte, ich hatte aber doch gehofft, daß sie diesen Teufelskreislauf an einer Stelle würde knacken können. Egal wo. Sie meinte, daß ich mich selbst in meinen "Ja-aber-Kreislauf"immer weiter reindrehen würde, daß ich, wenn ich weiter so denke, daß ich dann nie rausfinde. Ich finde, es geht da nicht um Konstrukte, die ich mir selbst zusammenbaue, es sind reale Tatsachen, die sich leider zu diesem Teufelskreislauf entwickelt haben.
Von mir kommt dieser Ratsbeschluß nicht, daß ich hier fünf Jahre gemeldet sein muß, um einen Wohnberechtigungsschein beantragen zu können. Ich würde sofort entweder beim Sozialamt oder bei der ARGE einen Antrag auf Grundsicherung stellen, wenn die sich nur mal darüber einigen könnten, wer für mich zuständig ist. Eine "freie" (ohne WBS) rollstuhlgerechte Wohnung kann ich halt nur mit dem Nachweis irgendeines Einkommens beantragen. (So ist es zumindestens üblich!) Angeblich haben wir in Deutschland ein "soziales Netz" - es kann doch dann echt nicht angehen, daß ich da durchfalle!?! Auf all diese Dinge habe ich leider nur sehr begrenzt Einfluß und es ärgert mich schon, wenn mir dann noch gesagt wird, daß ich halt dann andere Wege gehen muß.
Welche? Zwei Wege hat die Dame mir noch vorgeschlagen.
1. Vorschlag) Ich könnte/ sollte doch bei einer Stiftung Geld für Grundversorgung, Miete, etc. beantragen bis ich mein Studium beendet habe.
Leider muß ich da gleich wieder "Ja-aber" sagen, weil ich zum einen weiß, daß Stiftungen die Leute nur bis zu einer gewissen Semesteranzahl nehmen und sich garantiert nicht darum reißen, jemand zu unterstützen, der zum einen schon um einige Semester über der normalen Studienzeit ist, und zum anderen kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch gar nicht sagen, wann ich meine letzte mündliche Prüfung (vom Gesamtzustand her) machen kann und wann ich dann mit der Diplomarbeit anfangen und fertig sein könnte. Da das Tippen noch nicht wirklich gut geht, muß ich da alternative Lösungen finden.
Zudem wäre damit mein Wohnungsproblem immer noch nicht gelöst.
Die Dame meinte, daß ich da falsch ansetze. Ich muß erst meine Grundversorgung sicherstellen, dann die Wohnungsfrage angehen.
Das sehe ich nicht so. Für jeden Monat, den ich noch keine passende Wohnung gefunden habe, wird in Essen Miete (von geliehenem Geld) umsonst bezahlt. Ich wäre beispielsweise auch mittlerweile wieder in der Lage Förderunterricht, Computerkurse, Deutsch- und Alphabetisierungskurse zu geben (mit Festgehalt oder auf Honorarbasis). Arbeit kann ich aber nur finden, wenn ich weiß, wo ich wohnen werde.
2. Vorschlag) Ich solle mich doch ganz meiner Rehabilitation widmen. Das Tippen und handschriftliche Schreiben üben, damit ich dann mein Studium schnell zu Ende machen kann. Dann wäre das Sozialamt zuständig.
Schon wieder ein "Ja-Aber". Was mache ich jeden Tag? Teilweise diktiere ich emails und Briefe mit dem Spracherkennungsprogramm, ich tippe aber z. B. meine Blogs - auch aus Übungsgründen - meist selbst. Schreiben üben wir ja eh in der Ergotherapie, aber ich denke, daß ich eh schon viele Möglichkeiten ausschöpfe, um diesen Prozeß zu beschleunigen.
Auch dieser Rehavorschlag löst mein Wohnungsproblem nicht, denn das Sozialamt weiß, daß ich derzeit eigentlich noch sowas wie "ambulante Reha" mache und fühlt sich trotzdem nicht zuständig.
Die Dame vom Beratungsdienst hatte mir zudem noch vorgeschlagen, ich solle doch quasi meine 70 m²-Wohnung in Essen einstweilen irgendwo einlagern. Lagere ich die Wohnung ein, zahle ich dann quasi zwei Mal einen Umzug. Einmal der Transport von der Wohnung zu dem "Einlagerungsfirma" und dann nochmal von dort zu der Wohnung in die ich dann evt. mal ziehen werde. Das wäre etliches an Mehrkosten, an Mehrarbeit und ich würde auf diese Weise "meinen letzten Halt" in Essen aufgeben. In dieser Situation wäre das Wahnsinn. Diese Wohnung war lange mein Zuhause, irgendwie ist sie das auch noch. In absolut letzter Konsequenz würde ich dorthin zurückgehen, damit ich überhaupt eine Bleibe hätte, egal wie ungeeignet diese auch immer sein mag. Die drei Etagen wären eine totale Qual, bzw. ist derzeit auch noch schwer umsetzbar.
Meine ganze Situation ist sehr verfahren, schwierig und Lösungen finden sich da nicht eben mal einfach so. Das war mir auch vor dem Besuch bei der Beratung klar. Es wäre aus diesem Grund für mich gar kein Problem gewesen, wenn die Dame einfach gesagt hätte, daß sie mir derzeit auch nicht weiterhelfen kann. Was mich allerdings schon sehr getroffen hat war, daß sie das so hingestellt hat als könnte ich den Teufelkreislauf einfach umgehen, wenn ich nur bereit wäre, auch auf Alternativlösungen auszuweichen. Ich denke, egal wie verfahren die Situation auch immer ist, auch ich habe ein Recht darauf, daß ich nicht diese "Schein-überbrückungs-Lösungen" wählen muß (die letztlich auch in Sackgassen laufen würden), sondern daß ich wie jeder andere auch ein Anrecht auf eine "vernünftige Lösung" habe.
(Die Dame heute hat durchaus angeboten, eine email an den Herrn von der ARGE zu schreiben, damit der sich mal meldet. Doch diese Geschichten kann ich alle alleine bewältigen. Es geht um das, was ich nicht alleine kann.)
Ich lebe die ganze Zeit zwischen "Hoffen und Verzweifeln", weil ich immer hoffe, daß irgendwer so viel Einfluß hat, um diesen fatalen Kreislauf irgendwo durchbrechen zu können und gleichzeitig verzweifelt an der Gesamtsituation fast zerbreche, weil jede Hoffnung bisher enttäuscht wurde.
Ein Lichtblick war heute der Anruf bei der Wohnungsbaugesellschaft GEWOFAG. Dieser Herr hat mir zugehört, sich die Situation schildern lassen, und sagte dann nicht gleich, daß er mir da auch nicht weiterhelfen könnte, er hat stattdessen gesagt, daß er mal schauen wird, was er für mich - in Sachen Wohnung - tun könnte. Ob dabei wirklich was rauskommt, das werde ich morgen hören, aber die Tatsache, daß einer einfach mal was tut - ganz praktisch - ist wie "heller Regen". Das ist ja der Name meines Blogs und ich erlebe zuweilen schon diese seltenen Momente, in denen ich zwar immer noch "im Regen" stehe, in denen der Regen aber heller erscheint.

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Leer-stelle


"Franziska Hufnagel hängt vor die abgedunkelten Fenster in St. Markus (München) Bilder gemalter Köpfe. Die Bilder verweisen auf den Augenblick, der sich einstellt, bevor sich etwas aufgrund von Gewesenem ereignet. Dieser Augenblick ist ein Zwischenraum, eine "Leer-stelle", in der Vergangenes, Verdrängtes, Getanes, Nichtgetanes auf Kommendes stößt. Ein Moment, in dem alles möglich zu sein scheint - ob Gut oder Böse." (aus der Ankündigung der Ausstellung im Rahmen der Nacht der Museen in München 2007)

Mich hat das sehr angesprochen, weil ich diese "Leer-stelle" gut nachempfinden kann. Trotz der Sackgassen, trotz der schwierigen Allgemeinsituation glaube ich tief in mir, daß auch in meinem Leben nochmal ein Neubeginn möglich is - ein Neubinn halt in "meinen derzeitigen Grenzen". Solange ich noch nicht "starten" kann, solange muß ich diese "Leer-stelle" ertragen.
Posted by Picasa

Dienstag, 9. Oktober 2007

...welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.

Von Rainer Maria Rilke gibt es folgendes Gedicht:

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten,
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh Dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

"Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält."
Das ist sehr tröstlich zu wissen, daß bei allen Schwierigkeiten, in Sorgen, Nöten und wenn wir denken, daß wir allein mit all unseren Problemen sind, daß es dann immer noch Ihn, für mich Gott, gibt, von dem ich glaube, daß er mein Leben wirklich in seinen Händen hält.
Glauben heißt nicht, alles verstehen, auf alles eine Antwort haben und finden müssen - Glauben ist ein Ausdruck des Herzens.
Es ist mir auch egal, ob viele Menschen versuchen, Glaube und Gott mit sinnigen Argumenten und etlichen "total sicheren" wissenschaftlichen Erkenntnissen wegzureden. Gott will nicht bewiesen werden, aber er läßt sich erfahren. Und wenn ich oft ganz am Ende bin, dann spüre ich seine Nähe am meisten. Vielleicht ist das in dieser Situation wirklich Gnade.

Samstag, 6. Oktober 2007

Geheimnisse im Kopf

Wenn ich kurz vor dem Einschlafen im Bett liege, dann mache ich mir so meine Gedanken. An meine Mama denke ich in diesen Momenten viel, auch daran wo ich gerade stehe und wo ich hin will. Oft frage ich mich auch, warum bei mir dauernd was nicht klappt, warum ich von einer "Tragödie" zur nächsten schlittere? Andere sind schon längst mit ihrem Studium fertig, arbeiten und führen ein "normales" Leben. Und ich? Tja, ich, ich hätte mehr als genug im Kopf für einen guten Abschluß. Trotz aller Widrigkeiten bin ich so weit gekommen und stehe derzeit irgendwie vor der größten Herausforderung meines Lebens: wieder überhaupt zu sowas wie einem geregelten Alltag zurück zu finden. Ich möchte dieses Studium so gern beenden, doch erstmal muß meine Wohnungsangelegenheit geregelt werden, auch der ganze Ämterkram. Mit was ich mein Leben finanzieren will, dafür hätte ich genug Ideen, daran soll es nicht scheitern, aber bis ich sie umsetzen kann, bis dahin bräuchte ich halt von irgendwoher Hilfe.
Verzweiflung ist ein schlechter Ratgeber, leider fehlen derzeit die Alternativen.
Ich hoffe, daß mir Gott bald ein Fenster aufmacht, wenn schon alle Türen zuschlagen.
In einem Buch habe ich folgende Geschichte gelesen, die mir - gerade in dieser Situation - recht gut gefällt.
Die Menschen und die Geheimnisse
Als der liebe Gott die Welt schuf, machte er am Schluß die Menschen.
Doch als die Menschen fertig erschaffen waren, kletterten sie auf ihre Beine, schüttelten ihre Haare und waren nicht zufrieden. Sie maulten und riefen:"Wir wollen jeder noch etwas Besonderes. Damit wir uns voneinander unterscheiden."
Sie stellten sich vor den Schöpfer, stampften mit den Füßen und sagten: "Wir wollen mehr." "Jeder soll etwas Besonderes haben."
Der Schöpfer überlegte ein Weilchen, dann rief er sie und sagte zu dem Ersten: "Dir gebe ich lange Beine, so lang wie die Baumstämme, die man sieht, wenn man in einer Waldlichtung auf dem Rücken liegt und an ihnen hinauf in den Himmel schaut." Der Erste ging und war zufrieden. Der Nächste kam und Gott sagte zu ihm: "Dir gebe ich blonde Haare, zart wie Seide und hell wie die Wollfäden einer vornehmen Strickjacke. " Der Mensch ging und war zufrieden. Nun kam einer, der sah den Schöpfer mit klaren Augen an, und Gott sagte zu ihm: "Dir schenke ich ein fröhliches Lachen." Der Mensch lachte und war zufrieden.
Da kam noch einer. Der Schöpfer schaute ihn an und sagte zu ihm:"Dir schenke ich eine starke Faust." Der Mensch boxte vor sich hin, ging und war zufrieden.
Der Nächste kam, sah Gott herausfordernd an, machte den Mund auf, und der Schöpfer sagte zu ihm:"Dir gebe ich ein großes Maul."
Die Menschen waren zufrieden. Sie hatten eine starke Faust, ein großes Maul, ein fröhliches Lachen, blonde Haare und baumlange Beine. Plötzlich meldete sich noch einer, der war übrig geblieben, er hatte am Rand gestanden. Der fragte den Schöpfer:"Und was bekomme ich?"
Der Schöpfer erschrak. Ihm fiel nichts mehr ein. Nichts, was äußerlich leicht zu erkennen war. Der Schöpfer hatte nur noch die Geheimnisse, die er dem Letzten in seinen Kopf einpflanzen konnte. Aber Geheimnisse kann man nicht sehen wie die blonden Haare oder die langen Beine, nicht fühlen wie die Faust, nicht hören wie das Lachen oder die lauten Sprüche des Großmauls.
Der Schöpfer schaute den Letzten nachdenklich an, dann nickte er und sagte:"Für dich habe ich noch etwas ganz Besonderes. Ich kann dir Geheimnisse geben. Viele, viele Geheimnisse. Aber Geheimnisse in deinem Kopf können die anderen nicht sehen. Nur die, die dich sehr lieb haben, können sie vielleicht in deinen Augen lesen. Die Geheimnisse bleiben oft lange im Kopf eines Menschen versteckt. Sie entwickeln sich langsam, werden zu Worten, Bildern, Geschichten... . Und seine Worte sind manchmal schöner, seine Gedanken tiefer als die der anderen. Seine Fragen sind oft wundersamer und sein Gesicht ist oft rätselhafter und fremder als die Gesichter, die andere mit sich herumtragen. Menschen mit Geheimnissen im Kopf sind anders und fremd für die anderen. Möchtest due die Geheimnisse?"
Der Mensch nickte und war sehr zufrieden, denn er hatte als Einziger Geheimnisse im Kopf.

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Sozialsackgasse

Heute habe ich den (auch sehr freundlichen) Menschen vom Arbeitsamt (ALG II) angerufen. Die Dame vom Sozialamt hatte mir ja gestern gesagt, daß er erstmal als erste Instanz, bzw. vor dem Sozialamt für mich zuständig wäre. Er sollte dann klären, inwieweit ich (noch) arbeitsfähig oder zur Zeit eben nicht arbeitsfähig bin.
Am Nachmittag habe ich ihn endlich erreicht. Wenn ich noch Student wäre, könne er eigentlich gar nichts für mich tun. Versuchte zu erklären, daß ich derzeit beurlaubt habe, also ein Freisemester habe. Eingeschrieben muß ich aber bleiben, weil mein Studiengang (Diplom-Pädagogik) zum Jahr 2008 ausläuft und wenn ich mich exmatrikulieren würde, dann könnte ich das Studium gar nicht mehr beenden. Ich habe keine Ahnung, ob der Herr das so umfassend hat, er will sich auf jeden Fall mal schlau machen und sich dann nochmal bei mir melden.
Irgendwie habe ich den Eindruck, in einer "Sozialsackgasse" gelandet zu sein.
Die Sozialarbeiterin der Ambulanz von Mutabor ist ja schon theoretisch sehr hilfsbereit, sie sagt zumindestens immer, daß sie mir gerne noch weiterhelfen würden. Dummerweise sind die "Hilfsansätze" nicht wirklich hilfreich und was sie bis jetzt für mich in dieser Sache getan haben war zum einen nicht viel und zum anderen hätte ich es auch selbst machen können. (Ein Anruf im Sozialbürgerhaus...) Ich bräuchte definitiv jetzt jemand, der sich für mich bei irgendeiner dieser Stellen mal einsetzt. Nicht einen Betreuer wie mir immer vorgeschlagen wird, denn den brauche ich trotz vieler gutgemeinter Erklärungen, daß Betreuung heute ganz anders darstellt als früher, definitiv nicht. (Das ist gut gemeint, weil ich halt am Ende dessen bin, was ich an Belastung ertragen kann) Habe im Internet nachgeschaut und so "ungefährlich" wie man es mir immer verkaufen will, ist das überhaupt nicht. Ich könnte das auch nur für den Bereich "Beantragungen bei Ämtern" festlegen, das stimmt leider nicht. Die Bereiche sind immer weiter gesteckt und schränken schon die Entscheidungsfreiheit meiner Person in dem Maße ein wie ich es auf gar keinen Fall haben möchte.
Deswegen habe ich mich heute mal per mail an den Behindertenbeauftragten der Stadt München gewendet. Vielleicht tut sich ja dadurch mal irgendein Weg aus dieser Sackgasse auf - schlimmer werden kann es durch diese mail auf jeden Fall nicht.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

"Da beißt sich der Hund doch in den Schwanz!"

Meine weitere Lebensplanung, bzw. Suche nach einer barrierefreien Wohnung entwickelt sich zum Disaster.
Vom neu entstehenden Beginenhof habe ich quasi eine Absage bekommen. Die Ansprechpartnerin dort hatte bei unseren Kontakten nichts, aber auch gar nichts davon erwähnt, daß sie mir eine Wohnung nicht zusagen könnte, bzw. daß die Wohnungen so begehrt sind, daß ich damit rechnen müßte, daß ich evt. keine bekomme. Das wäre hilfreich gewesen, denn so habe ich mich irgendwie darauf eingestellt, daß das eine relativ sichere Geschichte ist. Habe trotzdem relativ zügig zugesagt, weil ich mir diese tolle Wohnmöglichkeit auf gar keinen Fall entgehen lassen wollte. Mir wurde gesagt, daß alle Wohnungen auf WBS weg sind und daß ich "nur" noch in die betreute "Wohngemeinschaft" ziehen könne. Es wäre gar keine Wohngemeinschaft ansich, jeder hätte sein eigene kleine Wohnung. Ich möchte aber meine eigene Wohnung, mit eigener Küche haben und ich möchte vor allem nichts mit permanenter "Betreuung". Ich denke, sowas muß jeder für sich entscheiden. Mir ist schon klar, daß ich ohne Unterstützung, auch was den Haushalt ansich betrifft (Einkaufen, Staubsaugen, etc. ), nicht klar kommen werde, aber ich kann dann alleine entscheiden, wieviel Hilfe ich möchte und auch wann. Mir liegt viel daran, so selbstständig und eigenständig wie möglich zu bleiben.
Die Beantragung einer barrierefreien Wohnung in München kann ich wegen dieser "5-Jahre-gemeldet-sein-müssen-Klausel" ebenfalls vergessen. Habe mich nochmal einschlägig erkundigt und höre überall nur das Gleiche, nämlich, daß es da keine Ausnahmen gibt.
In anderen Städten gibt es so eine "5-Jahres-Frist" nicht. Habe mal im Internet nachgeschaut wie es z. B. in Berlin mit barrierefreien Wohnungen aussieht. Unwahrscheinlich gut. Es gibt total viele (vor allem recht schöne!), auch in passablen Stadtteilen und mit guter Verkehrsanbindung und Einkaufsmöglichkeiten. Zudem hat Berlin, was die Barrierefreiheit in öffentlichen Verkehrsmitteln angeht, total nachgerüstet und es ist deshalb in sehr vielen Bahnhöfen, U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen möglich, relativ problemlos möglich, mit dem Rolli rum zu fahren.
Dachte, ich informiere mich mal, was ich machen müßte, um für Berlin einen Wohnberechtigungsschein zu bekommen. Was ich vorausschicken muß ist, daß jede Stelle, mit der ich in Berlin telefoniert habe, total nett und hilfsbereit war - auch über ihr Gebiet hinaus. Nun kommt aber leider das dicke Ende. Um in Berlin einen Wohnberechtigungsschein beantragen zu können, muß ich in Berlin gemeldet sein. (Das war mir ja schon halbwegs klar) Wenn ich mir z. B. über immobilienscout eine barrierefreie Wohnung suchen würde, dann könnte ich diese nur anmieten, wenn ich eine Verdienstbescheinigung, bzw. eine Bescheinigung über dauerhaften Bezug von Leistungen nachweisen kann. Nehmen wir mal an, die Sozialhilfe würde mir in München genehmigt werden, dann müßte ich sie jedoch in Berlin wieder vollkommen neu beantragen. Das kann ich aber nur, wenn ich einen festen Wohnsitz in Berlin habe. Den kann ich - wie schon erwähnt - nur bekommen, wenn ich diese Leistungen nachweisen kann. "Da beißt sich der Hund doch in den Schwanz." WAHNSINN!
Hier in München habe ich gestern schon im Sozialbürgerhaus angerufen, wollte bei einer Dame, die mir Mutabor gesagt hat, daß sie für mich zuständig wäre, einen Termin ausmachen, damit ich dann Sozialhilfe beantragen kann. Die Dame ist zwar schon irgendwie zuständig, aber nur insofern, daß sie mir all die Stellen sagt, an die ich mich jetzt mit meinem Anliegen weiter wenden soll. Also habe ich bei einer Dame angerufen, die zwar ebenfalls recht nett, aber nur für die Menschen zuständig ist, die über 65 sind. Sie hat mich an einen Herrn von der ALG II-Stelle verwiesen, der das erstmal bearbeiten soll. Den rufe ich morgen an. Beim Arbeitsamt müßte geprüft werden, in wiefern ich noch arbeitsfähig bin und die müssen dann weiter entscheiden, wer letztlich für mich zuständig ist.
Mir fehlen irgendwie die richtigen Worte, um zu beschreiben wie ich mich derzeit fühle. Total überfordert fühle ich mich, leer und hilflos, weil ich überhaupt nicht mehr weiter weiß. Verstehen kann ich jetzt auf jeden Fall ansatzweise, warum Menschen in die "Falle Obdachlosigkeit" tappen. Das kann verdammt schnell gehen. Denen wird es wohl so ähnlich gegangen sein wie mir. Wahrscheinlich sind sie auch durch "etliche Lücken in diesem System" gefallen.
Ich habe ja noch die Wohnung in Essen, im dritten Stock ohne Aufzug. Auch wenn das für mich total schwer werden wird, vor allem wegen den drei Stockwerken, so denke ich immer mehr in die Richtung, daß ich dorthin zurückgehe. Den einen Rollstuhl könnte ich im EG stehen lassen und einen zweiten Rollstuhl kann ich ja für die Wohnung besorgen. Die Wohnung selbst ist ausgesprochen geräumig und ich werde dort gut mit dem Rolli fahren können. Werde dann in Essen Wohngeld beantragen und mal schauen wie ich in dieser Situation Geld verdienen könnte. Dieses in der Luft rumhängen, das ist furchtbar, ich will diesen Zustand so schnell wie möglich beenden.

Montag, 17. September 2007

Warum klappt bei mir eigentlich gar nichts reibungslos?!

In München gibt es die "Pfennigparade", das ist eine Stiftung (mit sehr vielen Arbeitsbereichen) zur Förderung körperbehinderter Menschen auf ganz viele Art und Weisen. Eine tolle "Einrichtung". Unter anderem gibt es dort Wohnprojekte und auch 150 barrierefreie Sozialwohnungen. Ich hatte gedacht, daß ich mich dort vielleicht für eine dieser Wohnungen bewerben könnte. Es gibt für diese Wohnungen einen Sozialarbeiter, dem ich in einer email meine Situation geschildert habe. Der Herr hatte einige Wochen Urlaub, hat mir aber heute auf die mail geantwortet. Recht ausführlich und nett, aber dennoch dachte ich während des Lesens, daß es doch schon Wahnsinn ist, daß bei mir eigentlich so gar nichts mal reibungslos, ohne viel Komplikationen, klappt.


Fünf Jahre müßte ich - nach irgendso einem Ratsbeschluß der Stadt München - in München gemeldet sein, damit ich überhaupt einen Wohnberechtigungsschein für eine Sozialwohnung erhalten könnte. Irgendwie fatal: da unterbreche ich im Oktober 2006 eine Epilepsiemedikamentenumstellung und mein Studium, "nur" um die letzten Monate bei meiner schwer krebskranken Mama zu sein. Ich verlege meinen Wohnsitz zeitweilig nach München, um sie für die verbleibenden Monate nochmal nach Hause holen zu können. Dann stirbt sie, früher als zu diesem Zeitpunkt erwartet und ich wollte nur noch in Ruhe ihre Wohnung "aufräumen" und dann wieder zurück nach Essen gehen. Ungefähr ein Monat später geraten meine epileptischen Anfälle völlig aus dem Ruder, im Krankenhaus vergiftet man mich lebensgefährlich. Die Folge der Vergiftung ist diese Ataxie. Mein Leben, das ich bis dahin in Essen geführt habe, kann ich damit erstmal abhaken. Als Rollstuhlfahrer muß ich mein Leben in in vielen Bereichen vollkommen neu gestalten.

Wußte ich das alles vorher, war das planbar? - Nein, sicher nicht! Bürokratische Hürden wie dieser seltsame Ratsbeschluß gehen doch immer vollkommen an der Realität der Menschen vorbei. Soll ich jetzt noch viereinhalb Jahre in der Wohnung meiner Mutter bleiben, in der ich mich zum Bad hin kriechend auf allen Vieren bewegen muß?! Ins Klo komme ich ebenfalls nicht mit dem Rollstuhl und in die Küche nur bis zur Tür. Das Haus hat einen Aufzug, aber ca. 8 Stufen vom Aufzug runter bis zur Haustür. Das ist genau die ideale Wohnung für mich. Ebenso passend wie meine Mietwohnung in Essen, die im dritten Stock liegt. (Altbau ohne Aufzug)

Der Herr von der Pfennigparade schrieb mir, daß sie einige wenige "freigestellte" Wohnungen hätten, die aber nur sehr selten vergeben werden.

(Hört sich für mich nicht sonderlich "hoffnungsvoll" an...)

Daß ich sofort eine Wohnung bekommen würde, das hatte ich eh nicht gedacht, daß ich einen Antrag für den Wohnberechtigungsschein stellen muß, das war mir auch klar, aber solche Hürden überfrachten mich in meiner derzeitigen Situation doch ziemlich. Die Gesamtsituation ansich ist schwer: so einen Einschnitt ins Leben zu verkraften ist nicht leicht, meine Mama fehlt mir schon arg und es ist nicht unbedingt klasse, in therapeutischen Tagesstätten rumzuhängen, oder mit Ergotherapie vieles Selbstverständliche zu Hause neu einüben zu müssen. Es wäre einfach mal schön, wenn ich einen "normalen" Antrag stellen könnte und der dann auch bewilligt würde. Ich will ja nichts Unmögliches, wirklich nicht. Es ist für mich o.k., daß ich hier - außer meinen Freunden - niemand habe, der mir ein paar Dinge zu Hause abnimmt oder auch solchen Antragskram erledigt, aber wenn ich schon versuche alles alleine hinzubekommen, dann muß man es mir doch nicht noch schwerer machen als es eh schon ist.


Es wird ja immer gesagt, daß alles - wenigstens im Nachhinein - Sinn macht, durch was man im Leben so durch muß. Da ist sicherlich was Wahres dran, aber ich hab jetzt wirklich die Schnauze voll von derartigen Erfahrungshorizonten.


Vielleicht kann mir der Beratungsdienst von der Pfennigparade noch etwas helfen, Struktur in das Ganze zu bekommen, bzw. helfen, ein bißchen was zu entwirren. Wenn nicht, dann ziehe ich in das Beginenwohnprojekt nach Essen. Das würde ich eh sehr gern, wenn der Nahverkehr in Essen wenigstens nur halb so behindertenfreundlich wäre wie hier in München. Ich kann einfach nicht mehr, ich möchte einfach nur wissen, wo ich dann wohnen kann, will das planen können (der Umzug mit quasi zwei Wohnungen wird eh streßig genug) und möchte dann wieder sowas wie normalen Alltag (was halt machbar ist) aufbauen können. Einfach zur Ruhe kommen können, das wünsch ich mir!

Freitag, 14. September 2007

Ataxie "auf Tour"



Zweimal die Woche bin ich in der therapeutischen Tagesstätte "Mutabor". Dort findet eine Langzeitbehandlung für Menschen mit erworbenen Hirnschäden statt. Auch meine Ataxie wird dort weiter therapiert.


Am Freitag ist immer früher Schluß, ich war anschließend mit einer guten Bekannten Kaffeetrinken und bin danach noch in die Stadt gefahren. Heute haben die Geschäfte in München alle bis 24 Uhr auf.


Dieser Rollstuhl nervt mich unheimlich. Alles ist so beschwerlich geworden. Bisher normale, alltägliche Wege werden zu einem logistischen Großaufwand. Wo fahre ich als erstes hin, damit ich nicht auf der Hälfte der Strecke schon kraftlos "zusammensacke"? Ist da auch ein Aufzug wo ich aussteigen möchte oder muß ich mich im Rolli in fast halsbrecherischer Absicht auf die Rolltreppe einlassen? Ich war auf jeden Fall noch bei Saturn - in der DVD-Abteilung. Exakt die DVDs, die ich anschauen wollte, waren natürlich fast alle in den obersten Reihen. Beim ersten Greifversuch kam mir das halbe Regal entgegen, beim zweiten habe ich vor lauter überschießender Kraft gleich mehrere DVDs mitgerissen, die mir dann allesamt auf den Kopf geknallt sind. Je hektischer ich die Teile vom Fallen aufhalten wollte, desto ausfahrender wurden meine Bewegungen und desto mehr habe ich dadurch noch mitgerissen. Wollte die Teile schnell wieder vom Boden aufheben, kippte dabei seitlich mit dem Oberkörper aus dem Rolli raus. Ich nenne das die "Schildkrötenstellung", weil ich dann in dieser Stellung hänge und nicht mehr ins Sitzen zurückkomme. Da hing ich also, in einem DVD-Schlachtfeld und sah aus einem schrägen Augenwinkel einen hilfreichen Saturn-Mitarbeiter auf mich zukommen. Ob er mir irgendwie helfen könne? Tja, was sollte ich da schon sagen. Am liebsten "Scotti, beam me up!". Mittlerweile hatte ich die Aufmerksamkeit der halben DVD-Abteilung auf mich gezogen, aber macht ja nichts. Keine Ahnung, was peinlicher war: Stottertherapie mitten in der Kölner Fußgängerzone oder das hier.


Auf der Heimfahrt in der Straßenbahn saß im Kinderwägelchen neben mir wieder ein sehr gesprächiges Kleinkind. Schon seltsam, früher haben mir die lieben Kleinen lang nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie jetzt. Es genügt also bereits, wenn man in Augenhöhe mit ihnen sitzt, damit sie einen als "der ihren" akzeptieren. Diese Zielgruppe erobere ich scheinbar mühelos.


Fürs Fazit dieses Tages lasse ich "Bilder sprechen".


Donnerstag, 13. September 2007

Trauer

Am 03. April diesen Jahres ist meine Mama an Krebs gestorben. Anfangs war ich wie betäubt, ich konnte das gar nicht richtig wahrhaben. Ich hatte zwar gesagt bekommen, daß ihre Lebenserwartung nicht mehr allzu lange wäre, doch daß sie dann letztlich so schnell stirbt, das war nicht abzusehen.

Es vergeht seither kein Tag an dem es mir "nicht fast das Herz zerreißt", daß sie nicht mehr da ist. Gerade jetzt, wo sich mein Leben durch diese Ataxie gerade vollständig umkrempelt, vermisse ich sie besonders arg. Sie war halt der Mensch, dem ich immer alles erzählen konnte, sie hat mich verstanden - in allem, was ich getan und gesagt habe.


In einem der Janosch-Bücher gibt es die Szene in der der Bär den Tiger ein Stück trägt und danach trägt der Tiger den Bärn ein Stückchen. Das hat uns beiden so gut gefallen, daß meine Mama fortan "der Bär" und ich "ihr Tiger" war. Genauso war es auch in unserem Leben. Wir haben uns "im Tragen von Lebenslasten" meist abgewechselt, wobei sie schon immer noch ein bißchen mehr getragen hat als ich. Jetzt ist mein Bär weg.

Wenn ich an ihrem Grab am Nordfriedhof bin, dann kommt mir das wahnsinnig unwirklich vor, daß sie dort unten liegen soll. Für mich ist sie einfach nicht dort. Sie ist noch in ihrer Wohnung, in der ich auch gerade lebe. Sie ist irgendwie bei mir. Ich glaube, daß es ihr gut geht bei Gott. Andere glauben nicht an sowas, ich tu das. Jeder Mensch hat da eigene Vorstellungen. Für mich gibt es ganz sicher ein Leben nach dem Tod, irgend einen "Raum", in den unsere Seele dann wandert. Für mich wird das spannend, weil ich dann endlich von Gott Antworten auf die vielen Fragen bekomme, die einfach offen sind. Ich glaub, das wird viel sogar noch viel besser als all die Dinge zusammen, die ich am liebsten im Leben habe: meine Katzen, mit Freunden zusammen sein, den Computer, ein Ammer-Hendl auf dem Oktoberfest, Rolling-Sushi, Spaghetti in allen Variationen, möglichst viel von der Welt sehen, Lachen bis die Tränen kommen, Fußball spielen, Singen, Kuchen, ... .
Und wenn ich irgendwanm mal sterbe, dann sehe ich meine Mama wieder, dann holt sie mich ab.


Im Moment finde ich hier ganz viele Bilder von meiner Mama. Bilder, auf denen sie noch ein Kind ist, Bilder auf denen sie so alt wie ich ist und auf denen sie auch auf etlichen Reisen und Bergtouren zu sehen ist. Irgendwie schon ein bißchen gruselig wie ein Mensch sich im Laufe von ein paar Jahrzehnten verändert (vom Aussehen her). Damit meine ich nicht die Gewichtszunahme, einfach die grundsätzliche Veränderung des Aussehens. Das Wesen ist davon - beruhigender Weise - nur wenig betroffen. Glücklicherweise wird man langsam alt und wacht nicht plötzlich irgendwann als alter Mensch auf. Auf diesen Bildern sehe ich ihr teilweise schon total gleich. Das freut mich schon sehr.

Mit jedem aussortiertem Kleidungsstück wird Abschied genommen; im Gefrierschank sind noch Dinge, die sie gekocht hat - ich schaffe es mittlerweile nicht mehr, das zu essen. Es ist ein furchtbares Gefühl, wenn ich ich sehe wie sich irgendwo in der Stadt Mütter und ihre Töchter, die ungefähr mein Alter haben, zur Begrüßung oder zum Abschied umarmen.
Früher hat es mich total genervt, daß sie mich immer noch gefragt hat, ob ich die Mütze oder meine lange Unterwäsche angezogen habe, jetzt würde ganz viel drum geben, wenn sie mich das diesen Winter fragen könnte.
Für heute soll das genug sein. Schließen möchte ich mit einem Gedicht, das ich im Internet gefunden habe, das vieles klar und einfach ausdrückt, vor allem auch das, wofür ich im Moment keine Worte gefunden habe.
Die Seele trat Ihre Reise an,
als wir uns noch an den Händen hielten;
Frieden, Stille - kein Geräusch,eingehüllt im Nebel;
Der Abschiedsschmerz unbeschreiblich,
keine Vorbereitung darauf gerecht;
Zart, zerbrechlich wie Porzellan,endlich befreit von Schmerz und Pein;
Dein herzhaftes Lachen verstummt;unser unsichtbarer Bund verloren?
Noch die Herzen gefüllt mit Liebe und Trauer
Und lässt uns doch hier nun allein;
Du musstest gehen,doch nicht weg von uns,sondern nur voraus;
Unsere Liebe nimmst du mit,Deine tragen wir in unseren Herzen.












Sonntag, 9. September 2007

Beginen

Als ich letztlich bei immobilienscout nach barrierefreien Wohnungen in Essen und München gesucht habe, da bin ich auf eine Anzeige mit dem Titel "Beginen bieten" gestoßen. Das alte Finanzamt Essen Süd wird bis Ende 2007 zu einem Beginenhof umgebaut. Dieses Wohnungsangebot hat mich sehr neugierig gemacht. Hier wurde nicht nur eine Wohnung angeboten, sondern auch die Möglichkeit, Teil eine Wohnprojekts für Frauen zu werden. Ich habe immer schon gerne alleine, als Single gelebt, mir hat da nie etwas gefehlt. Mehr und mehr habe ich nur festgestellt, daß der Kontakt mit vielen Leuten meines Alters immer schwieriger wird, weil die meisten geheiratet und auch Kinder bekommen haben. Auch wenn das sicherlich nicht beabsichtigt ist, doch irgendwann wird man unter diesen Leuten ein Stück zum Außenseiter.
Der Gedanke, in einer Gemeinschaft - und doch in einer eigenen Wohnung - leben und sich einbringen können, das ist etwas, in dem ich mich wiederfinden kann.
Erstmal habe ich genau im Web nachgeforscht, was "Beginen" überhaupt sind. Ich will schließlich keinem "obskurem Verein" oder gar einer Sekte beitreten. Für mich sehr interessant, daß es diese Lebensweise schon im Mittelalter gab. Damals haben die Frauen in einer Art Konvent zusammengelebt, es hatte einen "klösterlichen" Charakter in der Hinsicht, daß die Frauen damals wirtschaftlich eigenständig lebten und sich auch als spirituelle Gemeinschaft verstanden. Die Beginenbewegung heute strebt auch eine spirituelle Gemeinschaft an, sieht sich jedoch mehr in ihrem Interesse an gesellschaftlichen, religiösen und politischen Fragen verbunden.
Als ich mit der Leiterin vom entstehenden Beginenhof in Essen Kontakt aufgenommen habe, haben sich dabei auch sofort Gemeinsamkeiten herausgestellt. Auch sie studierte an der Uni Essen Sozialarbeit, stadtteilbezogene Sozialarbeit ist ihr bekannt, genau wie mir auch ein Anliegen und schön, wenn man das Gefühl hat, daß da sofort etwas ist, das einen verbindet, obwohl man sich noch gar nicht kennt.
Nach dem Tod meiner Mama fühle ich mich überhaupt so alleine. Die Ataxie mit der ich mich seit gut drei Monaten auseinandersetzen muß, die mein Leben total verändert, diese Behinderung ist es auch, die mich sehr viel über mein Leben nachdenken läßt. Wie geht es überhaupt weiter? Wo kann ich mich damit im Leben noch sinnvoll einbringen? Für mich könnte dieses Beginen Wohnprojekt in Essen ein guter neuer Anfang sein. Dabei kam mir auch die im letzten Blog schon mal erwähnte Idee, daß ich in der Wohnung in einem eigenen Zimmer ein Lernprojekt für Schüler, Migranten, aber auch Senioren und Hausfrauen ins Leben rufen könnte, damit ich mein Leben finanzieren kann. Ich könnte das machen, was ich kann, was mir auch Spaß macht, könnte dann irgendwann mein Studium beenden und müßte nicht nutzlos zu Hause rumsitzen.
Hier in München gibt es die "Pfennigparade". Diese Stiftung hat unter anderem auch 150 barrierefreie Sozialwohnungen. Der dafür zuständige Herr kommt morgen wieder aus dem Urlaub zurück. Ich möchte mich auf jeden Fall informieren wie dort die Wohnoptionen wären. Wäre das nicht das richtige oder nicht gleichwertig mit Essen, dann bestätigt es insofern auch die Entscheidung für den Beginenhof. In München kann ich halt - auch alleine - wirklich gut mit den öffentlichen Verkehrmitteln fahren, in Essen (im Ruhrgebiet) weniger gut. Notfalls muß man dann manche Punkte gewichten, um irgendwann eine Entscheidung fällen zu können.
Hier sind auf jeden Fall noch weitere Infos zur Beginenbewegung und zu den Beginenhöfen, die es schon in Deutschlang gibt. Wie auch immer ich mich entscheide, was die Beginen machen finde ich klasse.

Mittwoch, 5. September 2007

der Berg wird immer größer

Irgendwie wird der Berg an Problemen, Dingen, die zu Erledigen sind, Anträgen... immer größer. Kaum hat man eines weg, kommen schon zwei neue Sachen dafür. Diese ganze Situation überfrachtet mich total. Oft denke ich, wie schön es doch wäre, wenn ich jetzt einfach aufs Fahrrad steigen und irgendwo hinfahren könnte. Ich wäre so gern in dieses neue Galaxy-Bad in München-Erding gegangen, das mit den vielen Rutschbahnen. Hatte schon total auf die Eröffnung hingefiebert und jetzt geht gar nichts mehr in dieser Richtung. Der Rollstuhl nervt mich total, ich komme voran wie eine Schildkröte im vierten Gang und bin schon nach ein paar hundert Metern irgendwie am Ende. Würde einfach gerne nach Essen, in meine schöne Dachgeschoßwohnung zurückgehen und mein Leben weiterleben. Ich fühl mich sehr wohl im "Pott" seit 13 Jahren und muß ihn jetzt wahrscheinlich verlassen, weil Essen ansich nicht wirklich behindertenfreundlich ist. Meine Freunde leben dort, neben dem Studium hatte ich Arbeit, die mir viel Spaß gemacht hat, tja und mein Studium... - keine Ahnung wie das weiterlaufen soll. Ich kann kaum am PC tippen, wie soll ich dann die Diplomarbeit schreiben. Das hier diktiere ich mit Hilfe eine Spracherkennungsprogramms in den PC. Wo werde ich weiter wohnen? Die Wohnung meiner verstorbenen Mutter, die ist auf Dauer viel zu eng. Wovon soll ich leben? Sozialhilfe. Nein, sicher nicht. Die, auf die ich bisher in diesen Ämtern getroffen bin, das waren alle ganz fiese Gestalten. Hatte so den Eindruck, daß ein Kriterium, um dort eingestellt zu werden auf jeden Fall ist, daß man kein Herz hat. Oder es ist denen verloren gegangen, aber da kann ich ja nichts dafür. Um meinen Lebensunterhalt zu verdienen möchte ich gern ein Lernprojekt für Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene/Senioren gründen. Soll so eine Mischung aus Förderunterricht, Hausaufgabenhilfe und Kursen sein, die sehr individuell auf den einzelnen abgestimmt werden. Würde gerne ein Zimmer meiner neuen Wohnung dafür hernehmen. Pläne sind ja ganz gut, aber die Umsetzung. All die offenen Fragen: Ist so ein Lernprojekt eine Form der Selbstständigkeit und wenn ja, was muß ich dafür tun und beantragen? Wo erfrage ich das überhaupt? Arbeitsamt, Handelskammer? Bekomme ich Wohngeld? Und dann allein der Umzug! In dem Zustand ziehe ich mit quasi zwei Wohnungen um.
Manchmal fühle ich mich in all dem schon recht einsam. Ich hab zwar ein paar gute Freunde, allen voran meine beste Freundin hier in München, die mich sehr tatkräftig unterstützen, immer ansprechbar sind, aber solche Dinge kann mir halt keiner abnehmen.
Und meine drei Katzen, die geben mir zur Zeit unheimlich viel Kraft. Mein Kater Mikosch geht gar nicht mehr von mir weg seit meine Mama tot ist und ich danach so lange im Krankenhaus war. Er spürt total, wenn ich traurig bin oder es mir nicht gut geht. Während ich das schreibe liegt er schnurrend auf meinem Schoß. Seine Schwester Joschi ist eher zurückhaltend, manchmal etwas zickig, aber eine Seele von Katze. Und mein "kleines Monster" Roma, die wird immer schmusiger trotz ihres schweren Schicksals, trotz all dem, was sie schon als kleines Kätzchen durchmachen mußte. Diese Katze, ein Thaikätzchen, trägt viel Hoffnung in sich, daß nichts so bleiben muß wie es mal war. Niemand hätte gedacht, daß sie jemals so viel Zutrauen fassen, sich überhaupt streicheln lassen würde. Und nun schmeichelt sie sich an als ginge es um ihr Leben.
So ist das im Leben von Katzen und Menschen: "Das Schicksal mischt die Karten und wir spielen!"
Na dann, gute Nacht.

Montag, 3. September 2007

heller Regen - was ist das denn?

Heller Regen - was ist das denn?
Das wird sich wohl so mancher gedacht haben, der den Namen meines Blogs gelesen hat. Eigentlich hat das letztlich meine Ergotherapeutin gesagt, die mit mir zu Hause übt. Wir sind mit dem Rollator (so ein Gehwägelchen) um den Block gegangen und da meinte sie, daß das heute "heller Regen" wäre.
Für mich war das in dem Moment genau die Bezeichnung, die richtig gut zur Charakterisierung meiner derzeitigen Situation paßt. Ich fühle mich wirklich so als würde ich - in meinem Leben - sehr oft "im Regen stehen", mich pißt das Leben sehr oft einfach ein. Irgendwie bin ich mehr zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort, als daß mal was normal läuft.
Derzeit kämpfe ich mit einer Ataxie, die auf einen Arztfehler zurückzuführen ist. Ataxie, das sind Bewegungs- und Koordinationsstörungen. (Mehr nachzulesen auf www.ataxie.de) Bis vor gut drei Monaten hatte ich zwar auch Epilepsie, aber ich habe ein relativ normales Leben geführt. Sowas reißt einen schon total runter, wenn man plötzlich im Rollstuhl sitzt, wenn alltägliche Dinge erst wieder eingeübt werden müssen und wenn man sein Leben wieder vollkommen neu strukturieren muß, weil einfach sehr viel "den Bach runtergeht". Darüber schreibe ich ein ander Mal mehr.
Auf jeden Fall sehe ich wieder "Licht", es gibt sowas wie Zukunft, na ja, ich baue gerade dran und deshalb habe ich den Blog "heller Regen" getauft, weil zwischen den dunklen Regenwolken irgendwo ein leichter Schimmer von Sonne zu sehen ist.
Ich möchte in den nächsten Wochen, Monaten, evt. Jahren hier festhalten ob und wie sich meine Pläne umsetzen lassen, auf welche Hürden ich stoße, wie diese zu überwinden sind oder auch nicht und ich hoffe, daß es auch erfreuliches zu berichten gibt.
Viel Spaß beim Lesen!